In den 10 Jahren seit 2007 wurden mehr als 7 Milliarden Smartphones produziert. 78 Prozent der aktuellen Smartphone-Käufe entfallen laut Greenpeace auf Wiederkäufer, die ihr altes Gerät, meist noch funktionsfähig, verschrottet haben – die durchschnittliche Gebrauchsdauer pro Nutzer liegt bei etwa zwei Jahren. In einem neuen Bericht fasst Greenpeace nun die Umweltwirkungen dieser Lawine zusammen: gefährliche Arbeit in den Rohstoffminen, gefährliche Chemikalienexpositionen der in der Produktion Beschäftigten, hoch energieintensive Produktionsprozesse und Berge von Elektronikschrott wegen schnellen Gerätewechsels. Einige bisher nicht ersetzbare Materialien sind rar, beispielsweise liegt die derzeitige Reichweite von Indium, einer Seltenen Erde, bei 14 Jahren. Die derzeitigen Recycling-Prozesse, die ohnehin nur geschätzte 16 Prozent des gesamten Elektronikmülls erfassen, können viele Spurenelemente überhaupt (noch) nicht zurückgewinnen. Nach Daten der United Nations University wurden 2014 drei Millionen Tonnen Elektroschrott durch Kleingeräte erzeugt, zu denen Smartphones einen wesentlichen Anteil beitrugen.
Drei Viertel des Energieverbrauchs und damit auch des Kohlendioxid-Footprints eines Smartphones fallen bereits während der Produktion an. Für Smartphone-Produktion wurden bisher etwa 970 TWh Strom verbraucht, entsprechend etwa dem derzeitigen Stromverbrauch Indiens pro Jahr. Nur zehn Prozent dieser Energie stammt derzeit aus erneuerbaren Quellen.
Greenpeace fordert, den Materialaufwand durch Kreislaufführung der Produktions- und Recyclingprozesse zu verringern und gefährliche Materialien durch andere zu ersetzen. Außerdem sollen Smartphonehersteller reparaturfreundliche Geräte bauen und Ersatzteile bereithalten, so dass bei Defekten nicht gleich das ganze Gerät ausgetauscht werden muss. Hinsichtlich des Energieverbrauchs bei der Produktion fordert Greenpeace, das Hersteller über ihren Klimagas-Ausstoß berichtspflichtig werden und sich Reduktionsziele setzen, die sie zum Beispiel durch den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen erreichen können.
So miserabel die situation bei der Smartphone-Fertigung und – nutzung ist – es gibt auch Bereiche, in denen sich etwas tut: Viele große Cloud-Provider steigen auf Renewables um. Hierfür hat Greenpeace ein Ranking im rahmen seines Berichts über die Umweltfreundlichkeit von Internet-Unternehmen entwickelt, das Apple anführt. Der Hersteller und Cloud-Provider verwendet in seinen Cloud-Rechenzentren insgesamt nur 14 Prozent Strom aus nicht erneuerbaren Quellen. Auf Platz 2 und 3 liegen Facebook (67 % Renewables) und Google (56 % Renewables). Weit hinten unter den großen Cloud-Providern rangiert übrigens AWS mit nur 12 Prozent Erneuerbaren-Anteil. Deutsche Provider, etwa die Telekom, kommen in dem Ranking leider nicht vor.

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