In der Elektronik- und Computerindustrie liegt nicht nur beim Energieverbrauch noch einiges im Argen. So sind die Arbeitsbedingungen in vielen Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette noch immer miserabel. Zu diesem Schluss kommt die Studie Reset, die von GoodElectronics und der Dutch CSR Platform/MVO Plattform herausgegeben wurde. Berücksichtigt werden in drei Kapiteln jeweils mehrere soziale, Umwelt- und ökonomische Aspekte.

Zu jedem Einzelaspekt wird ein thematischer Überblick gegeben, gefolgt von relevanten Standards und einer Liste bestehender Initiativen. Schließlich gibt die Studie Handlungsempfehlungen, wie sich der eigene Standard bei jedem der Themen verbessern lässt. Der wichtigste Rat lautet bei sehr vielen Themen: Halten Sie alle bestehenden Standards, Regulierungen und Gesetze ein – was den Schluss zulässt, dass dies keinesfalls selbstverständlich ist.

Zu den Regeln, deren Einhaltung erwartet wird, gehören die OECD-Richtlinien für Multinationale Unternehmen, die OECD-Konvention gegen Bestechung und Deklarationen der International Labour Organization (ILO).
Insbesondere pocht die Studie darauf, dass die Hersteller am ende der Lieferkette eine Mitverantwortung für alle Produktionspraktiken ihrer Lieferanten und Vorlieferanten trifft – bis hin zur Bergbauindustrie, die Rohstoffe fördert. Außerdem sollten in die Entwicklung entsprechender Regeln alle Interessengruppen (Stakeholder) einbezogen werden, was in der Elektronikindustrie, so die Studie, noch nicht der Fall sei. Hersteller legen hier bisher in Eigenregie die Regeln fest, nach denen sie sich richten wollen. Weiter sollte, so die Studie, die Einhaltung solcher Regeln extern verifiziert und intern überwacht werden. Außerdem sollen Unternehmen über ihre Einhaltung regelmäßig berichten. Auch Mitarbeiter sollten über dei Existenz solcher Regelwerke unterrichtet werden.

Die Studie führt auf, dass in der Elektronik- und Computerindustrie, insbesondere bei den Zulieferern am Anfang der Wertschöpfungskette außerhalb der westlichen Industrieländer
– Frauen im Allgemeinen durch niedrigere Löhne, schlechte Anpassung der Arbeitszeiten an Familienarbeit, schlechtere Ausbildung und schlechtere Karrieremöglichkeiten benachteiligt werden
– Elektronikunternehmen durch den Kauf von Rohmaterialien aus Krisengebieten die militärischen Auseinandersetzungen um diese Ressourcen verschlimmern
– bei Produktion von Rohstoffen und Recycling wenig Rücksicht auf die Umwelt an den Produktions- beziehungsweise Entsprgungorten genommen wird
– die Unternehmen die gewerkschaftliche Organisation von Arbeitnehmern häufig behindern
– öfter Zwangsarbeiter oder Arbeitnehmer in zwangsarbeitsähnlichen Verhältnissen (z.B. Schuldknechtschaft) einsetzen
– Kinderarbeiter einsetzen, insbesondere bei Rohstoffförderung und Recycling
– besonders verletzliche Gruppen wie junge Arbeitnehmer, Migranten, Frauen und (in Indien) Mitarbeiter aus niedrigen Kasten gezielt diskriminieren,
– Arbeitsschutz und Gesundheitsvorsorge bei ihren Mitarbeitern vernachlässigen
– exorbitant lange Arbeitszeiten außerhalb aller gesetzlichen Grenzen festlegen
– nicht existenzsichernde Löhne zahlen
– Heimarbeiter einsetzen, und zwar häufig auch zur Arbeit mit giftigen Stoffen.

Im Umweltbereich listet die Studie folgende Probleme auf:
– zu hoher Energieverbrauch
– zu viel Kohlendioxidausstoß
– Umweltverschmutzung durch Abfälle und unprofessionell rezyklierte Altprodukte

Wirtschaftlich bemängelt die Studie vor allem
– dass Zulieferer durch immer kürzere Lieferfristen und immer geringere Zahlungsbereitschaft der Abnehmer unter Druck gesetzt werden, die diesen Druck an die Arbeitnehmer und ihre Zulieferer weitergeben
– dass in Sonderwirtschaftszonen, wo viele Elektronikfirmen ihre Betriebsstätten unterhalten, besonders schlechte Arbeitsbedingungen herrschen und ihre Existenz vielleicht zum Entstehen von Arbeitsplätzen, nicht aber zu einer nachhaltigen sozialen Entwicklung im Niederlassungsland beitragen
– dass Hersteller auf allen Stufen der Wertschöpfungskette umfassend Steuervermeidung betreiben, u.a. durch Niederlassung in sogenannten Steuerparadiesen und Ausspielen von Niederlassungsländern gegeneinander, um spezielle Steuervorteile zu erhalten
– dass Elektronikschrott gezielt und rechtswidrig in sich entwickelnde Länder exportiert wird, weil dort die Entsorgungskosten geringer sind
– dass nur wenige Unternehmen über praxistaugliche Rücknahmesysteme verfügen.

Als löbliche Ausnahmen werden auf manchen Gebieten die Hersteller Dell, HP, Apple und Fujitsu genannt, allerdings sind auch sie noch weit davon entfernt, auf allen Gebieten vorbildlich zu agieren. Beispielsweise verfolgen die Hersteller ihre Lieferkette, wenn überhaupt, derzeit nur bis zu den direkten Zulieferern und nicht darüber hinaus.

SummaryAs the abovementioned study is in English, just a few words: It deals with the social and ecological performance of electronics and IT companies along the whole value chain. Overall, there are many deficits, especially in the area uf labour rights and non-discrimination. Economically, the pressure for low prices makes it difficult for suppliers in the beginning of the value chain to implement socially sustainable working environments for their employees. For every issue, the study lists measures every company interested in lifting its standards could execute.

Kommentar: Allen Green-IT-Beteuerungen zum Trotz bleibt die IT-Produktion vorläufig ein schmutziges Geschäft. Dass das so ist, liegt nicht zuletzt am Verbraucher, der am liebsten alles für nichts möchte. Aber auch die vielzitierte Messlatte Shareholder Value, also das Streben nach einer möglichst hohen Kapitalrendite und Ausschüttung an Aktionäre als oberster Maßstab der Firmenführung, trägt dazu bei, dass selbst elementarste, weltweit gültige Regeln der ILO (International Labour Organisation) in vielen Zulieferbetrieben offensichtlich bis heute ignoriert werden.

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