Fleißige IT-Firmen

Die Telekommunikations- und IT-Branche möchte anscheinend zum ökologischen Musterknaben werden. Diesen an sich erfreulichen Schluss lassen jedenfalls jüngste Ankündigungen verschiedener Lieferanten und Netzbetreiber zu. Den Anfang machte die im übrigen schon länger notorisch defizitäre Nokia Siemens Networks mit einer neuen Telekom-Strategie, die auf ein ganzes Portfolio von an Nachhaltigkeit orientierten Produkten – von der Beratung in Sachen energieeffizienter Netzaufbau bis zur sich selbst mit regenerativem Strom versorgenden Basisstation reicht und Provider adressiert.

Kurz darauf berichtete der chinesische Hersteller ZTE, man baue mit China Unicom ein 3G-Netz bei der Retortenstadt Shenzen nahe Hongkong, dessen Basisstationen sich mehr oder weniger vollständig über regenerative Energieerzeugung vor Ort mit Strom versorgen. Der Anteil von Wind- und Solarenergie ist je nach Wetterbedingungen flexibel regelbar, die Stationen lassen sich komplett fernsteuern. Leider erfährt die Leserschaft nichts darüber, wie groß dieses Netz ist und wie viele Basisstationen es umfasst.

BT berichtet im Nachhaltigkeitsreport 2009 von konsequenter Kohlendioxideinsparung. Dem edlen Ziel, 2020 gegenüber dem Basisjahr 1997 80 Prozent eingespart zu haben, ist man schon näher gekommen: Für 2009 lautet die Marke 43 Prozent Minus. Den größten Brocken davon macht der Einkauf regenerativer Energie aus – wie nicht anders zu erwarten, vor allem im Ausland. Ein Viertel seines beträchtlichen Stromverbrauchs – in England immerhin 0,7 Prozent des Stromverbrauchs des gesamten Landes – will BT aber schon bald über eigene Windenergieanlagen selbst erzeugen. Ansonsten motiviert man die Mitarbeiter zur Nutzung kohlendioxidgünstiger Mobilitätsmittel oder dazu, gleich zu Hause zu arbeiten. Die Fahrzeugflotte wurde immer stärker auf Diesesl umgestellt und der Kurzstrecken-Flugreisen um etwa 40 Prozent gegenüber 2007 verringert. Wermutstropfen am Rande: Fernflüge scheinen sich trotz Conferencing nicht so einfach reduzieren zu lassen. Die Emissionen in diesem Bereich liegen bei BT Großbritannien noch immer so hoch wie 2007 – und waren 2008 sogar gegenüber dem 2007er Wert um mehr als 30 Prozent gestiegen. Allerdings machen sie weniger als zwei Prozent der gesamten Kohlendioxidemissionen von BT UK aus. Dennoch verwunderlich, gehört das Unternehmen doch zu denen, die den flächendeckenden Einsatz von Highend-Videoconferencing gerade für die oberste Führungsebene propagieren. Aber wahrscheinlich ist es auch einfach von größerem Reiz, in Hongkong mit Key Accounts Tee zu schlürfen oder in New York im Anschluss an Geschäftsbesprechungen ein wenig shoppen zu gehen, statt ganz unglamourös zwischen spätem Abend und frühen Morgen vor einem noch so komfortablen Videosystem zu sitzen, um sich global zu koordinieren.

Softwareriese Microsoft, plötzlich voll ergrünt, will die Anwender durch einen gemeinsam mit der EU erstellten interaktiven Umweltatlas von seiner ökologischen Gesinnung – und von Neuigkeiten wie Silverlight oder der Cloud-Plattform Azure – überzeugen. Schon einige Zeit ist Eye on Earth online. Hier fließen Daten aus unterschiedlichen Messstationen online zusammen. So kann man dort zum Beispiel lesen, dass die Luft in München im Moment sehr gut ist. Kann ich bestätigen, und das ist doch immerhin etwas.

Kommentar:IT soll erheblich dazu beitragen, dass die Gesellschaft weniger Kohlendioxid produziert. Von daher haben die IT-Firmen einen doppelten Vorteil: eine weiße Weste – zumindest oberflächlich betrachtet – und die Möglichkeit, weiter ihre Produkte abzusetzen oder in andere Produkte zu integrieren. Eine Situation, von der manch andere Industrie – beispielsweise die Autobauer – nur träumen können.

Summary: A lot of IT or telecom companies announced interesting news around the conference of Kopenhagen that supported the trend to make IT an integral part of all efforts to reduce carbon dioxide outputs.
For example
– Microsoft announced several projects on the web, some of them Azure-based, that show human influence on the environment
– BT announced their latest advancements in becoming a carbon-neutral company
– Nokia Siemens Network disclosed a new set of products and services to make Telecom networks more sustainable
– ZTE announced that they built a 3G network from base stations solely relying on renewable energy produced by wind and solar technology being part of the installation.

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