Handelsblatt: Kuhmist zu Serverstrom

Wie das Handelsblatt berichtet, hat HP ein Konzept entwickelt, das die Ausscheidungen von Rindvieh, das auf großen Rinderfarmen lebt, zur Stromerzeugung nutzen könnte. Der Strom könnte dann die direkt nebenan gelegenen Serverfarmen powern und dem Landwirt so ein auskömmliches Zubrot sichern. Eine Großfarm mit 10.000 Kühen könne so ein Rechenzentrum mit 1 MW Energieverbrauch betreiben.

Kommentar: Das Konzept besticht nur oberflächlich. Denn eine Farm mit 10.000 Kühen ist an sich ein erheblicher negativer Umweltfaktor, und zwar gleich mehrfach: Erstens dürfte es sich dabei um eine besonders hochintegrierte Form der Massenviehhaltung handeln. Zweitens entsteht bei der Erzeugung von EINEM KILO Rindfleisch so viel Kohlendioxid wie bei 250 Kilometern Autofahrt (etwa 36 Kilo!). Und drittens ist der massenweise Verzehr insbesondere von Rindfleisch einer der Gründe für die weltweite Verknappung von Nahrungsmitteln und auch von Wasser. Um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, braucht man 16 Kilo Getreide, das dann von niemandem mehr gegessen werden kann, und 15 Kubikmeter Wasser! Ein Kilo Weizen zu erzeugen braucht dagegen nur 0,3 bis 2 Kubikmenter Wasser. Im Durchschnitt aller Fleischsorten braucht man für ein Kilo Fleisch übrigens nur sieben Kilo Getreide (Schweinefleisch: 4 Kilo, Geflügel/Fisch ca. 2 Kilo). Der Fleischverzehr hat sich zwischen 1950 und 2006 von 47 Millionen Tonnen auf 260 Millionen Tonnen um 553% erhöht, gleichzeitig hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdreifacht. (Quelle dieser Daten)
Fazit: Oberflächlich betrachtet eine gute Idee, genauer analysiert Unsinn. Man kann das Biogas nämlich auch direkt aus Getreideabfällen gewinnen und die Kühe abschaffen. Dann wäre allen geholfen: dem Rechenzentrum und den Hungernden!

Summary:As German Handelsblatt reports, HP proposes to put data centers close to huge cattle farms to use their excrements to create biogas to power the servers. A farm with 10.000 cows could power a 1-MW-datacentre. Unfortunately cattle farms, especially that size, are not in any way ecological in themselves. One kilo beeef creates as much carbon dioxide as 250 kilometres of car driving, needs 15 kilos of grain and 15 cubic metres of water to be created. The massive rise in meat consumption is one of the reasons for food scarcety in the world. So, it would be much better tomake biogas out of the remainders of grain as such (straw etc) and drive the datacentre with energy created that way!

2 Gedanken zu „Handelsblatt: Kuhmist zu Serverstrom“

  1. Hallo,
    danke für den Kommentar. Dazu einige Anmerkungen:
    Ich gehe davon aus, dass z.B. in den USA durchaus auch Weizen an Kühe verfüttert wird. Außerdem ist es möglich, dass bei meiner Quelle die Flächeäquivalente für das Viehfutter ermittelt und umgerechnet wurden in das, was die gleiche Fläche an Weizen üblicherweise hergegeben hätte. Wie dem auch sei: Wo Viehfutter wächst, wird jedenfalls kein Weizen für den menschlichen Verzehr mehr angebaut, und Mais ist im übrigen eine sehr chemikalienbedürftige und stark zehrende Bodenfrucht. Dazu kommt der Wasserverbrauch in einer Zeit, in der Wasser immer mehr zur kritischen Ressource wird. Man muss sich also fragen: Was ist wichtiger: Rindersteak für eine oder zwei Milliarden Menschen oder Weizen für sechs bis neun? Die Antwort auf diese Frage überlasse ich Ihnen.
    Zudem: Rindersteaks werden meines Wissens nicht in erster Linie aus Milch gebenden Kühen gewonnen, Ihre Gegenrechnung stimmt also nicht. Außerdem geben meines Wissens nur Kühe, die gekalbt haben, Milch, also bedeutet jeder Liter Milch den Zwang zur Rindviehvermehrung, und was da geboren wird, wird ja nur zu einem gewissen Anteil zu Milchkühen. Der Rest landet nach kurzem Mästen gleich zum Essen beim Schlachter. Ziegenmilch ist eine gute Idee, so lange sie nachhaltig erzeugt wird. Wie etwa 30 Prozent der Bevölkerung hierzulande bin ich sowieso lactoseintolerant und vertrage keine Kuhmilch.
    Im Übrigen habe ich nichts gegen kleinformatikge bäuerliche Landwirtschaft, wie sie etwa im Allgäu betrieben wird, dort dient sie neben der regionalen Nahrungsmittelerzeugung ja auch dazu, die Almen zu schützen und zu pflegen. Riesenbetriebe mit zigtausenden von Tieren sind doch etwas ganz anderes. Sie wewrden zwar ökonomisch bevorzugt, das ist jedoch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten betrachtet ein großer Unsinn, auch mit Rechenzentrum.

    Viele Grüße

    Ariane Rüdiger

  2. Grüß Gott!

    Wieso behaupten Sie, dass Kühe auch Weizen fressen? Die Viecher kriegen entweder Gras, das sonst niemand braucht, oder Silage aus Gras, Klee oder Mais. Dass Mais ein besonders hochwertiges Getreide wäre, wollen Sie wohl nicht behaupten. Man nimmt ihn zum Saufuttern her – oder für die Rindviecher.

    Die Kuh ist aber nicht nur ein Fleischlieferant, sondern gibt täglich auch 16 Liter Milch. Jeden Tag. Diese Milch wird vom Menschen getrunken oder zu Käseprodukten weiterverarbeitet. Wer die Kühe abschafft, muss dann halt auf Ziegenkäse umsteigen.

    Hochachtungsvoll,

    der Ferdl

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