Schneckenleitung für Bürger – Transatlantikkabel für Hedgefonds

Ein neues Projekt zeigt den ganzen Wahnsinn der Finanzindustrie und ihres Einflusses auf die Welt: Wie unterschiedliche Webseiten und Blogs melden (siehe z.B. Computerbase, Gully), wird derzeit ein neues Transatlantik-Datenkabel verlegt. Die originäre Quelle der Meldung ist die britische Zeitung Telegraph. Die Verbindung, übrigens das erste neue Transatlantikkabel seit der Internet-Blase, führt von London City nach New York City. Gebaut wird das Kabel, das „nur“ 6021 km lang ist (die üblichen Verbindungen sind länger), von Cable & Wireless als Generalunternehmer. Die kürzere Distanz schlägt sich in einer 6 ms kürzeren Transportzeit (nur 59 ms statt 65 ms, das entspricht bei der überbrückten Distanz einem Drittel der Lichtgeschwindigkeit) nieder.
Das Kabel kostet 300 Millionen Dollar und soll vom späteren Betreiber, Hibernia Atlantic, in erster Linie an konkurrierende Finanzunternehmen auf beiden Seiten des Atlantik vermietet werden, die aus der verkürzten Transportzeit Gewinn schlagen. Übrigens zu 50mal höheren Preisen als übliche Kabelmieten. Rentieren dürfte sich dieses Investment für die Mieter trotzdem: Pro Millisekunde schnellerer Transport könnten Hedgefonds, von denen viele sich im Sekundenhandel betätigen, 100 Millionen Dollar jährlich verdienen, heißt es übereinstimmend. Der Telegraph zitiert übrigens immerhin (anders als die deutschen Blogs) durchaus Finanzexperten, die die dauernde Zunahme des Computerhandels kritisch sehen, da er das Börsengeschehen und letztlich die Weltwirtschaft destabilisiert. Das Volumen reiner Finanztransaktionen überscheitet heute das Volumen warenbezogener Transaktionen um mehr als das Zwanzigfache – leeres Geld, das wie irre um den Globus rast, eine kleine Schicht bereichert und wahrscheinlich in Kürze die Weltwirtschaft kollabieren lassen wird.
Wie irrsinnig das Kabelprojekt aus jeder außer der finanziellen Perspektive von Betreiber, Errichter und Finanzwesen ist, zeigt ein Blick auf die globale Kommunikationslandschaft: So gibt es in weiten Teilen der Welt höchstens schmalbandige Mobilverbindungen, und selbst in Deutschland wird seit Jahren um eine Anschlusspflicht auch entlegener ländlicher Regionen an ein Netz mit für Online-Arbeit ausreichenden Bandbreiten gerungen. Erst solche Netzwerken würden Landbewohnern mit Jobs in benachbarten Städten ermöglichen, einen Teil ihrer Arbeit kohlendioxidsparend von zu Hause abzuwickeln. Würden Investitionen auf solche Felder gelenkt, könnten daraus auf Dauer durchaus nachhaltigere Belebungseffekte fürs Wirtschaftsgeschehen resultieren.

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