Im Sommerloch: E-Müllberge, sparsames Streaming und Lithium ohne Kohlendioxid

Das Sommerloch macht sich auch hier im Blog bemerkbar, unter anderem in einem (hoffentlich vorübergehenden) Verlust der Bildelemente. Die Autorin genießt es nach den Monaten des Lock-In vor die Türe zu gehen, wobei der Laptop schlicht zu Hause bleibt. Die Folge: Löchrige Coverage. Naja, liebe LeserInnen, Sie werden es verkraften.
Nun kommt also die große Sommer-News. Und voraussichtlich die einzige bis Ende August.

E-Müllberge wachsen munter weiter

Was gibt’s zu berichten? Ein Zusammenschluss internationaler Organisationen, darunter die ITU (International Telecommunications Union) bringt 2020 den zweiten „Global E Waste Monitor“ auf den Markt. Auf der Website ist auch noch das Exemplar 2017 zu finden, so dass Interessierte auch vergleichen können. Den ersten Bericht dieser Art gab es übrigens 2014.
Die Ergebnisse sind einerseits ermutigend, andererseits frustrierend. Einige Kennzahlen: Immerhin gibt es inzwischen in 78 (von über 180) Ländern irgendwelche Gesetze, Regeln oder Regulierungsbestimmungen hinsichtlich der Entsorgung von Elektroschrott. 2014 waren es 67, 2017 67 Länder. Wenn es so weitergeht, dann dürften 2030 alle Länder irgendeine Regulierung haben. Das ist eigentlich zu spät, deshalb dalli!
Der globale Elektromüllberg ist auf 53,6 Megatonnen (1 Mt entspricht 1 Million Tonnen) angeschwollen. Das entspricht pro Person 7,3 Kilo Elektroschrott. Die Menge soll ungebremst weiter wachsen – bis 2030 auf 74,7 Mt global. Den meisten Elektroschrott pro Kopf erzeugen die Europäer: 16,1 Kilo pro Kopf und Jahr . Am wenigsten ist es in Afrika, nämlich 2,5 Kilo pro Kopf. Vieles davon dürfte direkt aus Europa stammen und in Afrika ein zweites Nutzungsleben absolvieren.
Nur 17,4 Prozent des gesamten Bergs werden dokumentiert und geordnet entsorgt – das entspricht 9,3 Mt. Der Rest – 82,6 Prozent oder 44,3 Mt, wandert irgendwie irgendwohin. Das muss nicht heißen, dass all das auf wilden Müllkippen in Afrika landet. Die Exportrate liegt bei 7 bis 20 Prozent, wobei die Güter entweder nochmals genutzt oder aber tatsächlich ungeordnet rezykliert respektive verbrannt werden. 8 Prozent landen in Mülleimern der Erzeugerländer statt auf dem Wertstoffhof und damit all die wertvollen Stoffe, die in den elektronischen Helferlein schlummern.
Würde man all das, was an wertvollen Rohstoffen in den nicht geordnet erfassten und rezyklierten Elektrogeräten schlummert, ausbeuten, dann entspräche das jährlich einem Wert von 57 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen ungezählte nicht geleistete Bergarbeiterstunden, Minen-Sprengungen, Abwasserseen etc, denn was nicht abgebaut wird, erzeugt auch keinen Abraum. Was für eine Verschwendung! Der Wert der Rohstoffe dürfte übrigens jetzt schon wieder höher sein, denn der Goldpreis ist heftig angestiegen. Außerdem gelangen durch fehlende Entsorgungs- und Rezyklierungsstrukturen größere Mengen gesundheitsschädlicher und teils hochgiftiger Stoffe in die Umwelt.
Nun kommt das Erfreuliche für Europa: Die Europäer erzeugen zwar den meisten Elektroschrott, aber sie rezyklieren auch am meisten, nämlich 42 Prozent ihres Elektroschrotts. Die Nummer 2 auf diesem Gebiet ist Asien mit 11,7 Prozent, die übrigen Kontinente sind einstellig. Ausruhen sollte man sich darauf aber nicht. Also, Leute, packt endlich Eure Keller und Schubladen aus, diese unerkannte Rohstoffhalde, und schleppt das Zeug zum Wertstoffhof, damit Eure Enkel die Rohstoffe fürs Handy nicht auf dem Mars suchen oder sich wieder per Buschtrommel verständigen müssen.

Streaming: so geht’s ohne Stromverschwendung

Eine weitere nette Studie aus den vergangenen Wochen beschäftigte sich mit dem beliebten Thema Streaming, gerade zu COVID-Zeiten ganz bestimmt eines der Lieblingshobbies signifikanter Bevölkerungskreise. Das Werk stammt vom meinerseits sehr geschätzten Borderstep-Institut in Berlin, das sich sehr bemüht, IT und grüne Ziele unter einen Hut zu bekommen. Zu finden ist das Papier hier.
Das Wichtigste in Kürze, nachlesen lohnt sich fürs Detail: Eine Stunde Videostreaming verursacht in Full HD einen Stromverbrauch von 220 bis 370 Wh und 100 bis 175 Gramm Kohlendioxid. Gern bemüht wird der Vergleich mit dem Autofahren – das entspricht nämlich rund einem Kilometer mit dem Kleinwagen. Diesen Kilometer hätte man besser auch noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, aber beim Streaming geht das leider nicht.
Es gibt einige Methoden, wie man den Energieverbrauch beim Streaming richtig schön aufblasen kann: riesige Bildschirme, 4K-Auflösung statt HD (pusht den Verbrauch auf Vier- bis Sechsfache, nämlich fast 1300 Wh, das sind dann sechs Autokilometer).
Sparen tut, wer sich mit etwas mehr Grisseligkeit und einem kleineren Bildschirm zufrieden gibt. Smartphone oder Tablet sind energetisch ideal, der Notebook geht auch noch. Die modischen Gigantenfernseher dagegen sollte man eher nicht nutzen, so hässlich, wie die sind, ruinieren sie sowieso die Ästhetik jedes Wohnraums. Dann doch lieber nett aneinandergekuschelt gemeinsam in ein handliches Endgerät starren. Außerdem müssen die Netz- und RZ-Betreiber die Effizienz ihrer Anlagen erhöhen so weit wie möglich und regenerative Energien verwenden, damit sich die Streaming-Bilanz verbessert.

Lithium für Batterien aus Europa

Lithium hat sich inzwischen wegen seiner Verwendung in Batterien zum kritischen Material entwickelt. Derzeit findet die Förderung ausschließlich weit weg, teils unter unerfreulichen Arbeitsbedingungen, hohem Kohlendioxid-Ausstoß und großen Umweltbeeinträchtigungen statt.
Nun hat ein Konsortium, dem unter anderem Vulcan Energy Resources, und EIT Inno Energy damit begonnen, eine Lithium-Förderanlage ohne Kohlendioxidausstoß nach einem von Vulcan entwickelten Verfahren zu errichten. Ich wüsste selbst gern, was genau EIT Inno Energy ist, aber eine Recherche auf der Website dieses Unternehmens scheiterte an einer extrem unflexiblen Cookie-Freigabe: Man konnte lediglich alle Cookies – allein 23 Marketing-Cookies – annehmen und sich nicht entscheiden, nur funktionale zuzulassen, und so was boykottiere ich. Es geht nämlich auch anders.
Jedenfalls wird jetzt, wie Doreen Rietentiet vom auf Energiethemen spezialisierten Beratungsunternehmen DWR Eco in einer Pressemeldung berichtet, dieses Projekt im Oberen Rheingraben aufgebaut und soll ab 2023 fördern. Dabei wird im Rahmen einer geothermischen Anlage heiße Sole aus dem tiefen Untergrund gesogen, Energie und Lithium werden entladen und die Sole anschließend wieder in den Untergrund gebracht. Die gewonnene Energie speist die Lithiumgewinnung. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Es wird nichts darüber ausgesagt, ob die Lithiumgewinnung aus dem Untergrund unter Umständen geothermische Projekte zur Gewinnung von Heizenergie in dieser Gegend beeinträchtigt. Aber sollte das der Fall sein, wird man sicher bald davon hören.

Green IT im April: Corona und die IT und ein paar andere Dinge

Im April bestimmte Corona weitgehend, was in der IT abläuft. Neben zahlreichen Infos für Profis und Unternehmen gibt es nun von einem mir bis dahin nicht bekannten Anbieter eine Anleitung, wie man seine IT-Geräte desinfiziert bekommt.

Corona-App und re:publica

Es tobt an verschiedenen Orten die Diskussion über eine Corona-App: Zentraler Server oder keiner? Kommunikation mit Fitness-Armbändern oder nicht? Und so weiter und so fort. Inzwischen ist nach langem Hin und Her eine Entscheidung zugunsten einer dezentralen App gefallen. Na endlich, hätte auch schneller passieren können.
Bis sie fertig ist, dauert es aber noch, in der Zwischenzeit kann der Virus sich dank partieller Freigaben über reichlich unkontrollierte Ausbreitungsmöglichkeiten freuen…
Eine Diskussion gab es auch hinsichtlich der Digitalkonferenz re:publica. Deren Ergebnis: am 7. Mai findet die re:publica zum ersten Mal rein digital statt – mit einem eigens dafür ausgerüsteten digitalen Fernsehstudio und Beteiligungstools. Schön wäre es, wenn man auch gleich mal feststellen würde, wie viel Kohlendioxid durch den Umstieg auf Digital eingespart wird … und wie viele zusätzliche Nervenzusammenbrüche das stundenlange Starren auf den Bildschirm auslöst. Aber das sind Nerds ja eigentlich gewohnt.

Corona-Stimmungskrise in der Digitalbranche

Auch die Digitalbranche leidet mit Ausnahme der Groß-Provider und Onlinehändler Corona-bedingt an einer Stimmungskrise Stimmungskrise, heißt es. Wer nicht? Immerhin gibt es inzwischen tausend Ratschläge, wie man dafür sorgt, dass Rechenzentren nicht ausfallen. Ein Beispiel findet man hier.

Stromverbrauch deutscher Rechenzentren: Zahlen für 2018
Freuen können sich diejenigen, die Strom verkaufen. Der allgemeine Stromverbrauch soll ja durch Corona im April um 20 Prozent gesunken sein, hieß es in den BR-5-Nachrichten (ausnahmesweise ohne Link). Der Stromverbrauch von Rechenzentren allerdings steigt und steigt und steigt. Aktuelle Daten zum Jahr 2018 liefert ein Bericht des Borderstep-Institut in Berlin.
Mit einem Absinken in den nächsten Jahren ist nicht zu rechnen. Die Werte für 2018: 14 Milliarden kWh, entsprechend dem Verbrauch von mehr als 7 Millionen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalten mit 4 MWh Jahresverbrauch. Auf die Werte für 2020 darf man gespannt sein, die werden wohl dank Corona-Krise und Lockdown nochmal viel höher ausfallen.
Apropos Corona: Laut dem hervorragenden Dashboard der Johns-Hopkins-Uni wurde am 27.4.2020 nachmittags die Drei-Millionen-Grenze bei den nachgewiesenen Infektionen geknackt. Die USA haben mittlerweile die Millionengrenze geknackt. Darauf einen deftigen Schluck Desinfektionsmittel. Soll ja helfen, sagt der größte Präsident aller Zeiten.

TCO zertifiziert RZ-Produkte

Ansonsten gab es doch immerhin ein paar sehr erfreuliche Nachrichten. Zum Beispiel hat der Zertifizierer TCO Development, übrigens ein Non-Profit-Unternehmen, das schwedischen Gewerkschaften gehört, nun auch Datacenter-Equipment in seine Zertifizierungen aufgenommen, sprich: Server, Storage und Netzwerke. Die Hersteller sind interessiert, weil aber die nötigen Umstellungen, beispielsweise in Lieferkette und Produktionsprozessen, Geld kosten, müssen die Anwender auch etwas tun. Nämlich von ihren Lieferanten entsprechend mit dem TCO-Certified-Label versehene Produkte fordern. Vorangehen tun hier laut TCO Development vor allem Behörden und Finanzdienstleister, TK-Provider und produzierende Unternehmen interessiert das Thema nicht besonders, genau so wenig übrigens die Endanwender. Die kaufen lieber was Billiges, sagt TCO-Development-CEO Sören Enholm im Interview.
Ein gutes Beispiel für nachhaltige Beschaffung gab es auch schon diesen Monat: Die Behörden in Baden-Württemberg kaufen jetzt die fair gefertigte Computermaus von Nager IT.

Recht auf Reparatur? Bitkom will es nicht.

Dass länger haltbare und vor allem auch praktisch genutzte ITK-Geräte nötig sind, zeigt wieder mal die Statistik zu in der Schublade gammelnden Smartphones. In einer Pressemitteilung des Industrieverbandes BITKOM kommt er zu wirklich schlagenden Zahlen: 200 Millionen Alt-Handys sollen es mittlerweile sein und damit doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Das ist entschieden zu viel. Es wird dringend Zeit für ein saftiges Pfand!

Übrigens: Wenig überraschend, ist der Digitalverband BITKOM gegen das von der EU angestrebte Recht auf Reparatur. Denn man könne, so heißt es in der entsprechenden Pressemeldung, Smartphones nicht so kompakt und gleichzeitig unbegrenzt reparaturfähig bauen. Aha.
Ja, dann baut man sie eben anders! Es ist doch die Frage, was wichtiger ist: Die auch langfristige Verfügbarkeit aller nötigen Materialien auf dieser Erde, die Bewahrung ganzer Landstriche vor der ökologischen Verwüstung, geringe Energieverbräuche produzierender Industrien (insgesamt, nicht pro Stück! – Langlebigkeit leistet hier einen erheblichen Beitrag, den je länger Produkte leben, desto weniger muss produziert werden) und anständige Arbeitsbedingungen. Oder die Möglichkeit, die modische Jacke nicht auszubeulen, wenn man ein Smartphone reinsteckt.

Die Stunde der IT

Man kann viel überr IT schimpfen. Dass sie aber im Moment noch mehr als je zuvor eine Schlüsselrolle spielt, um einigermaßen mit der Krise fertig zu werden, wird wohl kaum jemand bestreiten. Die VPN-Nutzung ist um dreifache Prozentsätze angestiegen. Alles sitzt im Home Office. Kinder lernen am Bildschirm. Künstsler stellen ihre Produktionen online, zum Beispiel Theater. Tausende Programmierer programmieren um die Wette gegen Corona, ein anderes Beispiel von der GI ist hier. Menschen wie ich, die bislang nicht unbedingt geil auf Videoconferencing waren (man sitzt ja schon so lang genug vor der Kiste) machens nun doch. Alles besser als nur noch sich im Spiegel zu betrachten. Viele IT-Firmen stellen Zeug kostenlos zur Verfügung, um Home Office, Remote-Verwaltung etc. zu erleichtern. Einen Überblick dazu gib es hier.
Und gleichzeitig wird wahr, was alle seit 15 Jahren prognostizieren, was aber bislang niemals geschehen ist: Der Himmel ist mal wieder blau (ohne Kondensstreifen). Die Luft schmeckt plötzlich anders (nicht nach Benzin). Man kann es in der Stadt aushalten und schläft super, weil es endlich leise ist. Ach, wäre das alles doch möglich, ohne dass ein Virus wütet! Aber vielleicht bleibt ja ein Bisschen zurück, auch wenn diese Krise überstanden ist. Wäre schön. Bis dahin: Bleibt gesund! Und bis zum nächsten Post!

Green IT im Januar (with English Summary)

Bedingt durch die Weihnachtsferien, war natürlich nicht arg viel los.
Immerhin aber kommt die Diskussion über Grüne Software langsam in Gang. So verkündete neulich sogar DER SPIEGEL in einem, wie ich finde, sehr bemerkenswerten Kommentar, Bedingt durch die Weihnachtsferien, war natürlich nicht arg viel los. Immerhin aber kommt die Diskussion über Grüne Software langsam in Gang. So verkündete neulich sogar DER SPIEGEL in einem, wie ich finde, sehr bemerkenswerten Kommentar,
der sich mit dem Thema Green IT befasst. Nur eine nachhaltige
Informationstechnik könne der Umwelt helfen, heißt es hier. Nun, nachdem eines der Leitmedien das Thema endlich nach Jahren ungebremsten Smartphone-Konsums und Online-Streamens erkannt hat, wird es wohl bald höhere Wellen schlagen (oder wir hoffen das einfach mal).

Anderweits beschäftigt man sich eher fachlich mit der Thematik. Beispielsweise am Umwelt-Campus Birkenfeld, wo man zu der Einsicht gekommen ist, dass IT nicht grün werden kann, wenn es nicht auch die Software tut. Denn Software kann Systeme bei der Abarbeitung ein und derselben Aufgabe zum Dauerrödeln verurteilen oder aber dafür sorgen, dass immer nur das aktiv ist, was für die jeweilige Aufgabe wirklich nötig ist. Die Kunst, Software so ökonomisch und ressourcenschonend zu schreiben wie möglich, ist nämlich im Zuge der IT-Entwicklung komplett unter die Räder geraten und bedarf dringend einer Renaissance.

Beim Umweltbundesamt werkelt man an einem Blauen Engel für Softwareprodukte. Dazu gehört beispielsweise Werbefreiheit, komplette Deinstallierbarkeit und eine Weiterentwicklung der Software, die deren Nutzer*Innen nicht alle kurze Zeit zum Kauf neuer Hardware verurteilt, wollen sie nicht die Hälfte der Funktionen oder gar die ganze Software wegschmeißen. Viele der Vorarbeiten dazu wurden ebenfalls in Birkenfeld geleistet. Wer sich tiefergehend für aktuelle Modelle interessiert, die helfen könnten, die Kriterien festzulegen, lese dieses wissenschaftliche Whitepaper.

Wie unterschiedlich sich der Energiehunger einer Software bei der gleichen Aufgabe darstellt, zeigt eine Grafik zu einem Vortrag, den Jens Gröger (Umweltinstitut) im Rahmen der Konferenz Bits & Bäume hielt, die Ende 2018 in Berlin stattfand. Das Bild zeigt es eindeutig: Software entscheidet, wie viel ein Rechner bei einer bestimmten Aufgabe verbraucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die eine Software verbraucht rund 20 Prozent mehr Strom als die andere.

Überhaupt, Bits & Bäume: Die Gruppierung hat sich zum Ziel gesetzt, sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit und Informationstechnik auseinanderzusetzen, und jetzt gibt es den Tagungsband sogar umsonst und online zum Download unter cc-Lizenz. Wer also einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Diskussionen rund um Nachhaltigkeit und IT gewinnen will, ist mit dieser Veröffentlichung gut bedient.

Summary: German lead medium Der Spiegel published a comment on the necessity of Green IT to get a sustainable digitization. The topic gains speed – so it is debated by the „Umweltbundesamt“, a federal German agency for the environment that plans to issue a certificate for sustainable software. This is because the behavior and programming style of software influences heavily how much energy a system uses for a certain workload. See picture! Green Software was also an important topic for the Bits&Bäume (Bits and trees) conference in autumn 2018. The congress reader (unfortunately mostly German) has been recently published and is available freely for download under cc-License.

In der Schweiz will man nun übrigens Rechenzentren konsequent dekarbonisieren, berichtet das österreichische Onlinemedium oekonews.at. Dazu wurde eigens ein Verband, die Swiss Data Center Efficiency Association (SDEA), gegründet. Mit zu den Initiatoren der Gründung gehört neben einigen technischen und wissenschaftlichen Verbänden und Unis aus der Schweiz HPE (Hewlett Packard Enterprise). Das Gremium will eine neuartige Datacenter-Zertifizierung in den Stufen Gold, Silber, Bronze herausgeben. Mal sehen, wann die ersten Erfolgsmeldungen kommen…

Summary: Switzerland wants to consequently decarbonize data centers and has founded an association with that goal.

Gefräßige RZs, gefräßige Bitcoins, Bäume fürs Online-Buchen und ML gegen Klimawandel

RZ-Stopp in Amsterdam:

IT ist umweltfreundlich? Darüber lässt sich trefflich diskutieren, und nicht immer scheinen diese Diskussionen zu einem Ergebnis zu führen, das freundlich für die IT aussieht. So hat die Stadt Amsterdam nun einen Baustopp für neue RZs verfügt, wie das Fachmedium Datacenter Insider berichtet. Begründung: Die Techno-Boliden verschwenden zu viel Platz, wo man auch Wohnungen bauen könnte, sehen oft hässlich aus und bringen die Strombilanz der Stadt in Unordnung, weil sie extrem viel Elektrizität verbrauchen, sei dieser nun erneuerbar oder nicht. Die Mutige, die sich hier nach vorn wagt und den Blütenträumen einer in Grenzenlosigkeits-Phantasmagorien schwelgenden Branche einen Riegel vor die Nase setzt, heißt Marieke van Doorninck und ist für Nachhaltigkeit und Raumentwicklung zuständig. Die Entscheidung ist vorläufig, und ihre Aufhebung hängt davon ab, dass die Branche neue Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllt.

Nachhaltige-IT meint dazu: Das ist zwar die erste europäische Maßnahme in dieser Art, es wird aber wohl nicht die letzte sein. Denn leider trägt die IT bisher sehr wenig zum Klimaschutz bei außer großen Floskeln. Vielleicht hilft dieser Schuss vor den Bug ja, die Gehirne der Verantwortlichen etwas stärker zum Rauchen zu bringen und andere Ideen zu produzieren als nur abstruse Wachstums- und Weltrettungsphantasien.

Und natürlich sollten auch die Verbraucher umdenken. Ist es wirklich nötig, jedes Mittagessen, jede Katze und jedes Treffen mit Freunden fotografisch festzuhalten und als Film oder Video ins Internet zu stellen? Vor allem, wenn man weiß, dass dabei mitnichten nur das Smartphone arbeitet, sondern gleich noch zig Rechenzentren. Man würde ja auch nicht im 20-Tonnen-Truck zum Einkaufen um die Ecke fahren. Wahrscheinlich wird nur helfen, Online-Services kostenpflichtig zu machen, und zwar im Verhältnis zu ihrem Gesamtenergieverbrauch, über eine Kohlendioxidsteuer zum Beispiel. Dass dies den Geschäftsmodellen von Instagram und Co in die Quere kommt – was solls. Die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen und ausreichend Wohnraum auch in Ballungsgebieten sind auf jeden Fall wichtiger.

English Short Summary: Amsterdam stops new datacenter buildings for reasons of ecology and sustainability (Source: Datacenter Insider)


Gefräßige Bitcoin: In ganz ähnliche Richtung weist eine Pressemeldung der Technischen Universität München (Center for Energy Markets der TUM School of Management). Danach, so ermittelte eine in Joule veröffentlichte Studie verbraucht Bitcoin so viel Strom wie die Stadt Hamburg, Wien oder Las Vegas. 68 Prozent der Stromverbräuche finden in Asien statt, wo Mining-Farmen stehen, das Mining wird inzwischen von Spezialgeräten erledigt. Muss das wirklich sein, damit ein paar Leute irgendwo auf der Welt sich als Miner die Taschen füllen und andere mit Ransomware Leute erpressen? Naheliegenderweise fordert die Studie Regulierung.

English Summary: A study published in Joule calculated the energy use of bitcoin which is as bi gas that of the cities of Hamburg, Vienna or Las Vegas.

Intelligente Algorithmen: Und nun kommt gleich das Gegenteil, denn vielen, die mit IT arbeiten, ist ja die Umwelt nicht wirklich gleichgültig. So hat sich ein umfangreiches Forscherteam an die Arbeit gemacht und versucht herauszufinden, wie Algorithmen, die Maschinenlernen verwenden, dazu beitragen könnten, den Klimawandel zu bekämpfen. Damit ist sowohl die Verringerung des Treibhausgasausstoßes gemeint als auch die Verringerung von Auswirkungen der zu erwartenden (und bereits heftig stattfindenden) Klimaveränderungen.

Das Interessante an dem brandneuen und noch dazu frei erhältlichen Text ( https://arxiv.org/pdf/1906.05433.pdf) ist, dass er als Metastudie funktioniert, in die so ziemlich jede diesbezügliche wissenschaftliche Veröffentlichung gelesen und eingearbeitet wurde. Für sehr viele Themen gibt es Veröffentlichungen, die potentielle nützliche Einsatzmöglichkeiten von ML belegen. Der Text geht durch die Anwendungsgebiete durch und nennt jeweils die Zwecke und die ML-Algorithmentypen, die für sie laut den durchgearbeiteten Publikationen am besten taugen. Wer mehr wissen will, findet die Nachweise im mehrere Dutzend Seiten langen Literaturverzeichnis. Dieser Text ist auf jeden Fall hilfreich für die, die bei der Bekämpfung der Klimakrise die IT-Karte ziehen wollen. Beispiele wie der oben berichtete Baustopp für Rechenzentren deuten aber darauf hin, dass sich, wer sich vor allem auf IT verlässt, um die Umwelt zu schützen, am Ende durchaus auf einem Holzweg landen könnte. Diese Meldung habe ich übrigens (wie manche anderen in der letzten Zeit) von Niklas Jordan bekommen, der einen Blog und Newsletter u.a. zum Thema Green IT macht.

English Summary: A recent study disposable free of charge on the web lists scientific, economic and sociological areas where ML-algorithms are able to mitigate climate change or ist consequences and says how that is supposed to work. Source of topic: Newsletter Niklas Jordan.

Baumpflanzen per Reiseplattform: Die Plattform B`n`tree arbeitet mit den große Reisevermittlungsplattformen zusammen. Für jede Buchung wird ein Baum gepflanzt. Das ist schön, ändert aber nichts daran, dass das Fliegen und viele ferne Herumreisen ein wichtiger Grund ist, warum wir das Klima ruinieren. Deshalb bildet der Verkehrssektor ja jetzt auch einen wichtigen Zankapfel innerhalb der Klimaverhandlungen der Koalition, wie Kohlendioxid bepreist werden soll. Auf Anfrage teilte der Betreiber mit, man fände es besser, einen Baum für eine Buchung zu pflanzen als gar nichts zu machen. Das ist richtig.

Noch richtiger wäre es aber wohl, nicht nur mit Reiseplattformen, sondern auch mit Kompensationsplattformen zu kooperieren, sprich: mindestens einen Link zu diesen in die Seite einzubauen. Dafür zeigte sich der Betreiber aufgeschlossen, und ich bin gespannt, ob das innerhalb dieses Jahres noch stattfindet. Man mag es kaum glauben, aber bis vergangenes Jahr hat nur ein Prozent aller Flugreisenden wenigstens den „Klimaablass“ in Form von Kompensationszahlungen über Plattformen wie Atmosfair (www.atmosfair.com) geleistet. Erst gerade jetzt regt sich, wohl kräftig befeuert durch Fridays for Future, das schlechte Gewissen und mehr Leute bezahlen. Am Allerrichtigsten wäre es, sich gut zu überlegen, ob es wirklich ein Flug in ferne Gegenden sein muss, wenn man eigentlich nur seine Haut bräunen möchte. Das kann man nämlich auch klimaschonend am nächsten Baggersee.

English Summary: The platform B`n`tree cooperates with online travelling platforms. For each booking over it, the platform plants a tree. Unfortunately, there is no link to a carbon dioxide compensation service on the web page. The company has agreed that this would be a good idea and will hopefully realize it.

Sabattical: So, das wars für diesen Monat! Ein Tip für Fans: Nicht ärgern, aber auch nicht wundern – Nachhaltige IT macht Pause. Die Jahre am Schreibtisch als Freie fordern ihren Tribut und es gibt nun eine mehr als wohlverdiente Auszeit bis mindestens Ende Oktober, in der sich die Autorin ausruhen und über das Leben nachdenken will – ganz ohne Druck, an irgendwelchen digitalen Geräten die Fingerspitzen zu schwingen. Danach ist die Energie hoffentlich zurückgekehrt, und es geht mit neuem Elan ans Werk.

English Summary: nachhaltige-it takes a sabbatical until end of october. Stay tuned after that!


Nachhaltige-IT-News im Mai

Was gab es im Mai an Neuigkeiten rund um die grüne IT?

Die für mich interessanteste News war eine schon im März 2019 publizierte, aber in Deutschland kaum rezipierte und mir erst im Mai bekannt gewordene Studie von The Shift Project, das ist ein französischer Dekarbonisierungs-Think-Tank. Die Untersuchung, die auf internationalen Daten bis zum Jahr 2017 basiert und damit vergleichsweise sehr aktuell ist, macht mit einigen Lebenslügen der IT Schluss. Zum Beispiel der, dass Digitalisierung an und für sich zur Nachhaltigkeit beiträgt. Denn die Rebount-Effekte haben, wie die Untersuchung deutlich belegt, bislang jeden Umweltnutzen in sein Gegenteil verkehrt.

Ungewöhnlich ist die Studie, da sie, wohl wegen der kolonialen Vergangenheit Frankreichs, auch vieel Daten zu Entwicklungsökonomien, beispielsweise in Afrika, enthält. Besonders interessant sind vier Befunde, die im Detail beziffert werden: Erstens lassen sich die versprochenen Dekarbonisierungseffekte in anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaftdurch IT-Einsatz bislang nicht nachweisen, da sie von Rebounds aufgefressen werden, zweitens hat sich das Wirtschaftswachstum in Ländern mit starker Digitalisierung durch diese bislang nicht beschleunigt, drittens wächst der Energieverbrauch der IT mehrfach so stark wie der anderer Wirtschaftsbereiche, und viertens wächst auch der Kohlendioxidausstoß der IT, wobei dieser im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft jährlich um 1,8 Prozent sinkt.

Manche mögen es angesichts der digitalen Gerätemassen und stets auf Smartphone starrenden Mitmenschen schon geahnt haben: Der „Überverbrauch an IT“ (so die Studie)  in den industrialisierten, westlichen Ländern trägt nichts zur Dekarbonisierung oder zum Wirtschaftswachstum bei. Im Gegenteil: Er verzögert beziehungsweise konterkariert sogar die notwendige Dekarbonisierung.

Am Ende nennt die Studie, gerichtet an Regierungen und Unternehmen, Maßnahmen, mit denen IT nachhaltiger werden kann, ohne das Ziel einer digitalen Transformation gleich ganz aufzugeben. Gefordert wird „Digital Sobriety“ (in diesem Zusammenhang vielleicht am ehesten mit digitale Schlichtheit zu übersetzen). Was das im Detail heißt, kann man in dem Text, der kostenlos im Web steht, nachlesen.

Nun noch ein paar kurze Meldungen rund um Nachrichten, die in der letzten Zeit erreichten:

Man höre und staune: Dass IT viel Energie verbraucht, ist nun auch der Umweltministerkonferenz zu Ohren gekommen, weshalb sie nach ihrer letzten Sitzung folgendes öffentlich zu Protokoll gegeben hat:

„Die Digitalisierung bietet große Chancen, ist aber auch mit einem hohen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß verbunden. Die Konferenz bittet den Bund, eine klimafreundliche IT-Nutzung in den Klimaplan des Bundes zu integrieren. Wichtige Punkte sind dabei die Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren (Kühlung, Abwärmenutzung), smarte Produktionsprozesse (Industrie 4.0), eine klimaschonende Beschaffung und Entsorgung von Hard- und Software sowie die effiziente Nutzung von Video- und Telefonkonferenzen zur Vermeidung von Dienstreisen. (TOP 24)“

Alles klar? Dann mal los, liebe ITler.

VMware, Nestor der Rechenzentrums (RZ)-Virtualisierung, hat anscheinend verstanden, dass der Energieverbrauch von RZs ein echtes Problem darstellt und kündigt deshalb ein Tool an, das Anwendern ermöglicht, CO2 im Rechenzentrum einzusparen und den Energieverbrauch zu verringern. Es heißt Carbon Avoidance Meter (Carbon-Vermeidungs-Messgerät). Die Meldung ging mir als Pressemitteilung zu. Leider sucht man auf der Website vergeblich nach Infos zu CAM, weshalb es auch kein Link gibt. Anwender sollten also bei VMware nachfragen, wann dieses Tool verfügbar sein wird. Das könnte bald auch finanziell relevant werden, denn die Bundesregierung plant ein Klimaschutzgesetz, was Energieverbräuche verteuern könnte. Und so manchem IT-Manager dürften auch noch zu Hause seine Sprösslinge nach der Friday-for-future-Demo im Genick sitzen. Da sit es gut, wenn man was Positives zu erzählen hat.

Die Deutsche Umweltstiftung nutzt digitale Technik (nämlich eine Website), um unter dem Hashtag #kaufnix zum Nicht-Konsumieren aufzufordern. Wer darauf Lust hat, sollte sich dort mal umsehen. Die meisten haben sowieso von allem zu viel. Aus Erfahrung kann ich sagen: Weniger kaufen schützt die Umwelt und entspannt. Nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Seele und die Platzsituation in der Wohnung. Und man gewinnt wertvolle Zeit, die man nicht irgendwo herumsteht oder im Web nach dem billigsten Sonderangebot sucht.

Die schwedische Chalmers-Universität hat ein Online-Tool zur Ermittlung des Kohlendioxid-Fußabdrucks beim Reisen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln entwickelt. Das Tool ist in Englisch verfügbar, eine schwedische Variante gibt es schon eine Weile. Wer seinen Kohlendioxid-Ausstoß beim Reisen wissen möchte, kann dort also nachsehen.

Und schließlich gibt es auch noch einiges aus der schönen Welt der Rohstoffe:

Die Umweltschutzorganisation FARN (Fundación ambiente e recursos naturales) weist auf Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Lithiumabbau in Argentinien hin, meldet Good Electronics in seinem Newsletter.

So, das wärs für diesen Monat. Im Juni wieder.

Neues zur Nachhaltigen IT im April

Wie immer ein paar Neuigkeiten zur Nachhaltigen IT im April. Zur Rahmensetzung: In Schweden brennen bereits die Wälder, und alle möglichen Ämter warnen auch für Deutschland vor einer Trockenheit, wie sie sie im vergangenen Jahr gegeben hat.

Die Copernicus-Satelliten sammeln rund um die Erde Klimadaten, die regelmäßig zu Berichten und Prognosen zusammengefasst und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Der Bericht für 2018 sagt: Es ist in Europa wieder kräftig wärmer geworden, es gab lang anhaltende seltsame Wetterereignisse, insbesondere Dürren, aber auch lang anhaltende Kälteperioden, die jeweils sehr große Regionen betrafen. Der Sommer 2018 lag 1,2 Grad über dem Durchschnitt. Das klingt nicht viel, wenn man aber überlegt, wie viele Daten in einen solchen Durchschnitt einfließen, ist es eben doch eine Menge.

Für den Monat März, über den von Copernicus global im April hinsichtlich der Durchschnittsdaten berichtet wurde, wird gemeldet: Die Zeit von April 2018 bis März 2019 ist die bisher wärmste zwölfmonatige Zeitspanne, die jemals in Europa aufgezeichnet wurde. Na prima, müssen wir bald nicht mehr ans Mittelmeer. Besonders warm war es in Alaska und Nordwestkanada. Zentralsibirien, Kasachstan, der Mongolei und dem nord-östlichen China. Australien verzeichnete den wärmsten März aller Zeiten, mit den höchsten Temperaturabweichungen über dem Bundesstaat Westaustralien. Wer schöne Bilder dazu sehen will, findet sie hier.

Und was sagt die IT dazu? Wie will sie ihre Klimagasausstöße in den Griff kriegen? Eine Idee wäre, dass man vielleicht mehr der Abwärme etwa von Rechenzentren nutzt, statt sie in die Atmosphäre zu pusten oder energieaufwändig wegzukühlen. Beispiele gibt es dafür schon, ein paar schöne stehen in diesem Artikel. Bislang allerdings Tropfen auf den buchstäblich heißen Stein. Außerdem findet sich in dem Bericht der an sich schon erstaunliche Satz, dass die Abwärme der europäischen Energieanlagen und -industrien verschwendet wird, ausreichen würde, um alle europäischen Wohnungen zu heizen. Na, dann mal los. In der EU gibt es dafür jetzt auch ein Projekt, das Reuseheat heißt und in den Rahmen der Zukunftsprojekte von Horizon 2020 gehört (oh weia, ist schon nächstes Jahr…). aber Reuseheat läuft ja auch schon bis 2021, was zeigt, dass dieser Horizont doch eher fiktiv ist.

Microsoft hat einen KI-Wettbewerb veranstaltet, als dessen Ergebnis ein umweltrelevantes Projekt den ersten Preis gewonnen hat. Die Einreicher konnten Wünsche äußern, von denen einige umgesetzt werden oder dies zumindest versucht wird. Das Siegerprojekt heißt „KI für Pflanzen“, wird von Sepago umgesetzt und zielt darauf, dass anhand eines Fotos die Bedürfnisse von Haus- und Nutzpflanzen erkannt und durch Dünger, Wasser etc. im passenden Umfang befriedigt werden. Das Unternehmen erhält dafür von Microsoft 50.000 Euro. Es wurde 2002 gegründet und sieht sich als Spezialist für digitale Transformation.

Überhaupt, die EU: Auf ein weiteres Horizon-2020-Projekt wurde ich durch eine Mail von Niklas Jordan aufmerksam. Imprex versucht unter anderem mit spielerischen Mitteln Bewusstsein dafür zu schaffen, wie Städte sich vor Überflutungen schützen können. Das ist was für im öffentlichen Dienst befindliche Gamer! Ausprobieren! Gegen die Ursachen von Fluten tut leider auch dieses Simulationsspiel leider wenig. Dazu müsste man einfach weniger Klimagase ausstoßen. Und danach sieht es global leider noch immer nicht aus, weil südliche Länder und natürlich China energetisch aufholen und die anderen (wir/die USA/Japan/…) nicht ausreichend zurückstecken. Da hat bisher leider die IT noch nichts geholfen, aber vielleicht wird es ja irgendwann.

Grünes rund um die IT im März

EInige News aus den vergangenen Wochen zeigen, was sich derzeit alles tut. So ist interessant, dass man sich plötzlich wieder mal um den Energieverbrauch der Cloud sorgt. Beispielsweise der RZ-Infrastrukturanbieter Vertiv. Ihm kam im Zusammenhang mit dem Mobile World Congress der Gedanke, den Stromverbrauch des Internets in den Mittelpunkt zu stellen. Fazit: Eine Umfrage bei 100 TK-Providern, die im Auftrag von Vertiv von 451Research durchgeführt wurde, erbrachte als Ergebnis, dass zwar alle 5G und Edge Computing ausrollen wollen, dass aber nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Befragten auch davon auszugehen ist, dass 5G den Gesamtenergiebedarf des Netzwerks um bis zu 170 Prozent erhöhen wird. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Knapp dreimal so viel. Denn eine Erhöhung um 100 Prozent ist ja schon eine Verdopplung. Da muss man anderweitig schon viel einsparen, um die berühmten grünen Effekte der IT zu realisieren. Vertiv schlägt dann nicht ganz uneigennützig vor, man könne ja als professioneller IT-Nutzern einen neuen Servicetyp mit der schönen Bezeichung Energy Savings as a Service (ESaaS) in Anspruch nehmen. Darunter ist eine enge Zusammenarbeit des IT-Providers mit Energielieferant und Kolokateur gemeint, um Energie zu sparen. Das sollte eigentlich sowieso selbstverständlich sein, wird aber nun von Vertiv als Service verkleidet und dann wohl auch kostenpflichtig. Wir warten auf den Service Breathing as a Service (BaaS).

Anders versucht es die Europäische Union, der wohl langsam auch dauert, dass das viele Cloud-Computing, energetisch betrachtet, nicht umsonst zu haben ist. Man hat flugs das Projekt EU EcoCloud aus dem Boden gestampft. Es soll die Energieverbräuche und die Energieoptimierungspotentiale der Cloud in Europa ermitteln. Mit im Ermittlungsteam: Das bei solchen Themen einschlägige Borderstep-Institut und das Umweltbundesamt Österreich. Auf der letztgenannten Website sucht man allerdings noch vergeblich nach irgendwelchen Hinweisen. Die Projektdauer erstreckt sich von Dezember 2018 bis Ende März 2020.

Außerdem erhielt ich von dem Green-IT-Spezialisten Niklas Jordan einige sehr sachdienliche Hinweise. So verweist Jordan in einer Mail-Info auf einen Artikel in der New York Times, der erklärt, wie man ein ethischer Tech-Konsument werden kann. Immerhin doch ein interessantes Thema. Die Ratschläge werden nicht jedem schmecken, aber sie sind allesamt bedenkenswert.

Schließlich noch ein Jordan-Tip für Leute, die gern etwas genauer darüber Bescheid wüssten, was mit unseren Ressourcen passiert, wie viel überhaupt noch da ist etc. Interessant ist dies beispielsweise in Zusammenhang mit raren Metallen (nicht unbedingt Seltenen Erden), die in den Smartphones verbaut und dann alle 2 Jahre rettungslos weggeschmissen werden. Die Seite von Resource Watch bietet eine Überblick über die Ressourcen-Lage der Erde, für viele Themen sogar in Echtzeit, und man hat Zugriff auf viele Daten.

So, das wäre es erstmal für den Monat März. Ich hoffe, Sie/Ihr habt Spaß an den Tipps und Hinweisen!


Vielen RZ-Betreibern ist die Umwelt egal

Eine von veröffentlichte Studie bringt es an den Tag: Viele Rechenzentrumsbetreiber scheren sich kein Bisschen um die Umwelt. 43 % der befragten RZ-Manager (deren Zahl gibt Supermicro leider nicht bekannt) haben keinerlei Umweltstrategie, die Hälfte davon will auch in Zukunft keine. Grund für 29%: Umweltschutz wäre zu teuer. (Das zeigt mal wieder, dass Umweltsünden schlicht zu billig sind, Anm. d. Red.) 27 % meinen, sie verstünden nichts davon, und immerhin 14 % geben unumwunden zu, dass ihr Unternehmen sich einen Sch… für Umweltdinge interessiert…. sorry, ganz einfach andere Prios hat.
Nur 28 % bedenken Umweltthemen, wenn sie Technologie einkaufen, und für nur 9 % ist Energieefffizienz das Top-Thema, wenn sie planen. 58 % ermitteln noch nicht einmal ihre PUE, den einfachsten Indikator für Energieeffizienz. Von denen, die sie messen, liegen noch immer 22 Prozent über einer PUE von 2 – sprich: Hier verbrauchen Kühlung und Klimatisierung doppelt so viel Strom wie das eigentliche Rechnen. Angesichts der Technologien, die heute verfügbar sind, kann man über so viel Ignoranz eigentlich nur staunen, zumal da bares geld den Bach runtergeht.
Und: 12 Prozent der Befragten haben keinerlei Recycling-Politik etabliert. Die meinen also, die Rohstoffe ließe sich anbauen wie, na, sagen wir mal, Gras auf der Wiese, oder sie glauben ernsthaft, wir würden uns das Benötigte irgendwann vom Mars holen (wers glaubt wird selig!).
Mit anderen Worten: nachhaltige-it wünscht den RZ-Betreibern weiterhin einen geruhsamen Winterschlaf hinsichtlich umweltpolitischer Fragen und von ganzem Herzen, dass sie nicht irgendwann sehr unsanft geweckt werden.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Konferenz für IT-Nachhaltigkeitsfreunde

Vor Kurzem fand in Berlin die Konferenz „Bits&Bäume“ statt, bei der es explizit um die Nachhaltigkeit der IT ging. Wer sich für das Thema interessiert, findet unter dieser Adresse sämtliche Vorträge als Video. ich werde mir die Freiheit nehmen, einige dieser Videos in nächster Zeit selbst anzusehen und dann darüber was zu schreiben, sie sind nämlich gut.
Deshalb gleich ein paar Hinweise von Niklas Jordan darüber, wie man das Web nachhaltiger machen kann, ohne gleich auf Surfen zu verzichten. Den Video-Enthusiasten wird das nicht gefallen, aber trotzdem.
Denn Niklas Jordan weist in seinem Vortrag darauf hin, dass die Webseiten immer größer werden, ohne inhaltlich mehr zu sagen, und dass leider jedes Bit über die Leitung muss, was Strom vergeudet und die Implementierung immer leistungsfähiger Server erfordert. Um Strom zu sparen, muss man zum Beispiel Bilder verlustfrei runterrechnen (kostenloses Tool wird im Vortrag genannt) und kann noch einiges andere tun, vor allem mit zappelbildchen sparsam sein. Ihr könnts ja ansehen, ich möchte nicht alles verraten.
Wer übrigens mal testen will, wie viel die eigene Seite pro Aufruf an Kohlendioxid in die Umwelt spuckt, kann das hier ganz unkompliziert machen. Bei meiner sind es monatlich 0,59 Gramm (ja, es ist eine ganz kleine Website mit viel Text, wenig Bildern etc.). Und bei Eurer/Ihrer?