Nachhaltige-IT-News im Mai

Was gab es im Mai an Neuigkeiten rund um die grüne IT?

Die für mich interessanteste News war eine schon im März 2019 publizierte, aber in Deutschland kaum rezipierte und mir erst im Mai bekannt gewordene Studie von The Shift Project, das ist ein französischer Dekarbonisierungs-Think-Tank. Die Untersuchung, die auf internationalen Daten bis zum Jahr 2017 basiert und damit vergleichsweise sehr aktuell ist, macht mit einigen Lebenslügen der IT Schluss. Zum Beispiel der, dass Digitalisierung an und für sich zur Nachhaltigkeit beiträgt. Denn die Rebount-Effekte haben, wie die Untersuchung deutlich belegt, bislang jeden Umweltnutzen in sein Gegenteil verkehrt.

Ungewöhnlich ist die Studie, da sie, wohl wegen der kolonialen Vergangenheit Frankreichs, auch vieel Daten zu Entwicklungsökonomien, beispielsweise in Afrika, enthält. Besonders interessant sind vier Befunde, die im Detail beziffert werden: Erstens lassen sich die versprochenen Dekarbonisierungseffekte in anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaftdurch IT-Einsatz bislang nicht nachweisen, da sie von Rebounds aufgefressen werden, zweitens hat sich das Wirtschaftswachstum in Ländern mit starker Digitalisierung durch diese bislang nicht beschleunigt, drittens wächst der Energieverbrauch der IT mehrfach so stark wie der anderer Wirtschaftsbereiche, und viertens wächst auch der Kohlendioxidausstoß der IT, wobei dieser im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft jährlich um 1,8 Prozent sinkt.

Manche mögen es angesichts der digitalen Gerätemassen und stets auf Smartphone starrenden Mitmenschen schon geahnt haben: Der „Überverbrauch an IT“ (so die Studie)  in den industrialisierten, westlichen Ländern trägt nichts zur Dekarbonisierung oder zum Wirtschaftswachstum bei. Im Gegenteil: Er verzögert beziehungsweise konterkariert sogar die notwendige Dekarbonisierung.

Am Ende nennt die Studie, gerichtet an Regierungen und Unternehmen, Maßnahmen, mit denen IT nachhaltiger werden kann, ohne das Ziel einer digitalen Transformation gleich ganz aufzugeben. Gefordert wird „Digital Sobriety“ (in diesem Zusammenhang vielleicht am ehesten mit digitale Schlichtheit zu übersetzen). Was das im Detail heißt, kann man in dem Text, der kostenlos im Web steht, nachlesen.

Nun noch ein paar kurze Meldungen rund um Nachrichten, die in der letzten Zeit erreichten:

Man höre und staune: Dass IT viel Energie verbraucht, ist nun auch der Umweltministerkonferenz zu Ohren gekommen, weshalb sie nach ihrer letzten Sitzung folgendes öffentlich zu Protokoll gegeben hat:

„Die Digitalisierung bietet große Chancen, ist aber auch mit einem hohen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß verbunden. Die Konferenz bittet den Bund, eine klimafreundliche IT-Nutzung in den Klimaplan des Bundes zu integrieren. Wichtige Punkte sind dabei die Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren (Kühlung, Abwärmenutzung), smarte Produktionsprozesse (Industrie 4.0), eine klimaschonende Beschaffung und Entsorgung von Hard- und Software sowie die effiziente Nutzung von Video- und Telefonkonferenzen zur Vermeidung von Dienstreisen. (TOP 24)“

Alles klar? Dann mal los, liebe ITler.

VMware, Nestor der Rechenzentrums (RZ)-Virtualisierung, hat anscheinend verstanden, dass der Energieverbrauch von RZs ein echtes Problem darstellt und kündigt deshalb ein Tool an, das Anwendern ermöglicht, CO2 im Rechenzentrum einzusparen und den Energieverbrauch zu verringern. Es heißt Carbon Avoidance Meter (Carbon-Vermeidungs-Messgerät). Die Meldung ging mir als Pressemitteilung zu. Leider sucht man auf der Website vergeblich nach Infos zu CAM, weshalb es auch kein Link gibt. Anwender sollten also bei VMware nachfragen, wann dieses Tool verfügbar sein wird. Das könnte bald auch finanziell relevant werden, denn die Bundesregierung plant ein Klimaschutzgesetz, was Energieverbräuche verteuern könnte. Und so manchem IT-Manager dürften auch noch zu Hause seine Sprösslinge nach der Friday-for-future-Demo im Genick sitzen. Da sit es gut, wenn man was Positives zu erzählen hat.

Die Deutsche Umweltstiftung nutzt digitale Technik (nämlich eine Website), um unter dem Hashtag #kaufnix zum Nicht-Konsumieren aufzufordern. Wer darauf Lust hat, sollte sich dort mal umsehen. Die meisten haben sowieso von allem zu viel. Aus Erfahrung kann ich sagen: Weniger kaufen schützt die Umwelt und entspannt. Nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Seele und die Platzsituation in der Wohnung. Und man gewinnt wertvolle Zeit, die man nicht irgendwo herumsteht oder im Web nach dem billigsten Sonderangebot sucht.

Die schwedische Chalmers-Universität hat ein Online-Tool zur Ermittlung des Kohlendioxid-Fußabdrucks beim Reisen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln entwickelt. Das Tool ist in Englisch verfügbar, eine schwedische Variante gibt es schon eine Weile. Wer seinen Kohlendioxid-Ausstoß beim Reisen wissen möchte, kann dort also nachsehen.

Und schließlich gibt es auch noch einiges aus der schönen Welt der Rohstoffe:

Die Umweltschutzorganisation FARN (Fundación ambiente e recursos naturales) weist auf Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Lithiumabbau in Argentinien hin, meldet Good Electronics in seinem Newsletter.

So, das wärs für diesen Monat. Im Juni wieder.

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