Das Sommerloch macht sich auch hier im Blog bemerkbar, unter anderem in einem (hoffentlich vorübergehenden) Verlust der Bildelemente. Die Autorin genießt es nach den Monaten des Lock-In vor die Türe zu gehen, wobei der Laptop schlicht zu Hause bleibt. Die Folge: Löchrige Coverage. Naja, liebe LeserInnen, Sie werden es verkraften.
Nun kommt also die große Sommer-News. Und voraussichtlich die einzige bis Ende August.

E-Müllberge wachsen munter weiter

Was gibt’s zu berichten? Ein Zusammenschluss internationaler Organisationen, darunter die ITU (International Telecommunications Union) bringt 2020 den zweiten „Global E Waste Monitor“ auf den Markt. Auf der Website ist auch noch das Exemplar 2017 zu finden, so dass Interessierte auch vergleichen können. Den ersten Bericht dieser Art gab es übrigens 2014.
Die Ergebnisse sind einerseits ermutigend, andererseits frustrierend. Einige Kennzahlen: Immerhin gibt es inzwischen in 78 (von über 180) Ländern irgendwelche Gesetze, Regeln oder Regulierungsbestimmungen hinsichtlich der Entsorgung von Elektroschrott. 2014 waren es 67, 2017 67 Länder. Wenn es so weitergeht, dann dürften 2030 alle Länder irgendeine Regulierung haben. Das ist eigentlich zu spät, deshalb dalli!
Der globale Elektromüllberg ist auf 53,6 Megatonnen (1 Mt entspricht 1 Million Tonnen) angeschwollen. Das entspricht pro Person 7,3 Kilo Elektroschrott. Die Menge soll ungebremst weiter wachsen – bis 2030 auf 74,7 Mt global. Den meisten Elektroschrott pro Kopf erzeugen die Europäer: 16,1 Kilo pro Kopf und Jahr . Am wenigsten ist es in Afrika, nämlich 2,5 Kilo pro Kopf. Vieles davon dürfte direkt aus Europa stammen und in Afrika ein zweites Nutzungsleben absolvieren.
Nur 17,4 Prozent des gesamten Bergs werden dokumentiert und geordnet entsorgt – das entspricht 9,3 Mt. Der Rest – 82,6 Prozent oder 44,3 Mt, wandert irgendwie irgendwohin. Das muss nicht heißen, dass all das auf wilden Müllkippen in Afrika landet. Die Exportrate liegt bei 7 bis 20 Prozent, wobei die Güter entweder nochmals genutzt oder aber tatsächlich ungeordnet rezykliert respektive verbrannt werden. 8 Prozent landen in Mülleimern der Erzeugerländer statt auf dem Wertstoffhof und damit all die wertvollen Stoffe, die in den elektronischen Helferlein schlummern.
Würde man all das, was an wertvollen Rohstoffen in den nicht geordnet erfassten und rezyklierten Elektrogeräten schlummert, ausbeuten, dann entspräche das jährlich einem Wert von 57 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen ungezählte nicht geleistete Bergarbeiterstunden, Minen-Sprengungen, Abwasserseen etc, denn was nicht abgebaut wird, erzeugt auch keinen Abraum. Was für eine Verschwendung! Der Wert der Rohstoffe dürfte übrigens jetzt schon wieder höher sein, denn der Goldpreis ist heftig angestiegen. Außerdem gelangen durch fehlende Entsorgungs- und Rezyklierungsstrukturen größere Mengen gesundheitsschädlicher und teils hochgiftiger Stoffe in die Umwelt.
Nun kommt das Erfreuliche für Europa: Die Europäer erzeugen zwar den meisten Elektroschrott, aber sie rezyklieren auch am meisten, nämlich 42 Prozent ihres Elektroschrotts. Die Nummer 2 auf diesem Gebiet ist Asien mit 11,7 Prozent, die übrigen Kontinente sind einstellig. Ausruhen sollte man sich darauf aber nicht. Also, Leute, packt endlich Eure Keller und Schubladen aus, diese unerkannte Rohstoffhalde, und schleppt das Zeug zum Wertstoffhof, damit Eure Enkel die Rohstoffe fürs Handy nicht auf dem Mars suchen oder sich wieder per Buschtrommel verständigen müssen.

Streaming: so geht’s ohne Stromverschwendung

Eine weitere nette Studie aus den vergangenen Wochen beschäftigte sich mit dem beliebten Thema Streaming, gerade zu COVID-Zeiten ganz bestimmt eines der Lieblingshobbies signifikanter Bevölkerungskreise. Das Werk stammt vom meinerseits sehr geschätzten Borderstep-Institut in Berlin, das sich sehr bemüht, IT und grüne Ziele unter einen Hut zu bekommen. Zu finden ist das Papier hier.
Das Wichtigste in Kürze, nachlesen lohnt sich fürs Detail: Eine Stunde Videostreaming verursacht in Full HD einen Stromverbrauch von 220 bis 370 Wh und 100 bis 175 Gramm Kohlendioxid. Gern bemüht wird der Vergleich mit dem Autofahren – das entspricht nämlich rund einem Kilometer mit dem Kleinwagen. Diesen Kilometer hätte man besser auch noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, aber beim Streaming geht das leider nicht.
Es gibt einige Methoden, wie man den Energieverbrauch beim Streaming richtig schön aufblasen kann: riesige Bildschirme, 4K-Auflösung statt HD (pusht den Verbrauch auf Vier- bis Sechsfache, nämlich fast 1300 Wh, das sind dann sechs Autokilometer).
Sparen tut, wer sich mit etwas mehr Grisseligkeit und einem kleineren Bildschirm zufrieden gibt. Smartphone oder Tablet sind energetisch ideal, der Notebook geht auch noch. Die modischen Gigantenfernseher dagegen sollte man eher nicht nutzen, so hässlich, wie die sind, ruinieren sie sowieso die Ästhetik jedes Wohnraums. Dann doch lieber nett aneinandergekuschelt gemeinsam in ein handliches Endgerät starren. Außerdem müssen die Netz- und RZ-Betreiber die Effizienz ihrer Anlagen erhöhen so weit wie möglich und regenerative Energien verwenden, damit sich die Streaming-Bilanz verbessert.

Lithium für Batterien aus Europa

Lithium hat sich inzwischen wegen seiner Verwendung in Batterien zum kritischen Material entwickelt. Derzeit findet die Förderung ausschließlich weit weg, teils unter unerfreulichen Arbeitsbedingungen, hohem Kohlendioxid-Ausstoß und großen Umweltbeeinträchtigungen statt.
Nun hat ein Konsortium, dem unter anderem Vulcan Energy Resources, und EIT Inno Energy damit begonnen, eine Lithium-Förderanlage ohne Kohlendioxidausstoß nach einem von Vulcan entwickelten Verfahren zu errichten. Ich wüsste selbst gern, was genau EIT Inno Energy ist, aber eine Recherche auf der Website dieses Unternehmens scheiterte an einer extrem unflexiblen Cookie-Freigabe: Man konnte lediglich alle Cookies – allein 23 Marketing-Cookies – annehmen und sich nicht entscheiden, nur funktionale zuzulassen, und so was boykottiere ich. Es geht nämlich auch anders.
Jedenfalls wird jetzt, wie Doreen Rietentiet vom auf Energiethemen spezialisierten Beratungsunternehmen DWR Eco in einer Pressemeldung berichtet, dieses Projekt im Oberen Rheingraben aufgebaut und soll ab 2023 fördern. Dabei wird im Rahmen einer geothermischen Anlage heiße Sole aus dem tiefen Untergrund gesogen, Energie und Lithium werden entladen und die Sole anschließend wieder in den Untergrund gebracht. Die gewonnene Energie speist die Lithiumgewinnung. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Es wird nichts darüber ausgesagt, ob die Lithiumgewinnung aus dem Untergrund unter Umständen geothermische Projekte zur Gewinnung von Heizenergie in dieser Gegend beeinträchtigt. Aber sollte das der Fall sein, wird man sicher bald davon hören.

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