Steuererleichterungen für Rechenzentren?

In seinem Newsletter zur Netzpolitik fordert der Internet-Branchenverband eco neben einigen recht nützlichen auch unsinnige Dinge, zum Beispiel (oh meine Güte, fällt der Wirtschaft denn wirklich nichts Besseres ein???) ausgerechnet Steuererleichterungen für Rechenzentren wegen deren Energieverbrauch. Das finde ich kontraproduktiv. Schließlich sind die großen technischen Fortschritte in der RZ-Technologie der letzten Jahre allesamt auch darauf zurückzuführen, dass man sich endlich mal was einfallen ließ, um Strom zu sparen und effizienter zu werden. Hier sind die Potentiale noch längst nicht ausgeschöpft. Wird nun der Kostendruck aus dem Thema herausgenommen, ist das die sicherste Innovationsbremse, die man sich vorstellen kann. IT ist nicht Photovoltaik! Es gibt hier große, mächtige, im Geld schwimmende Firmen in einem jahrzehntelang etablierten Industriezweig, denen man die Entwicklung der erforderlichen Novitäten, um reichlich Strom zu sparen, wirklich abverlangen kann, ohne dass sie gleich in die Knie gehen. Wir brauchen intelligente und stromsparende Prozessoren, energieeffizient geschriebene, klug gestaltete Software statt Steuererleichterungen! Davon würden nicht nur Rechenzentren profitieren, sondern jeder, der IT nutzt. Außerdem geht es derzeit gerade darum, die überbordenden Energiesteuerbefreiungen für Firmen wieder rückgängig zu machen. Merke: Jedes energiesteuerbefreite Unternehmen bedeutet mehr Kosten auf der Rechnung des Endverbrauchers. Der kann aber nicht in dem Umfang innovieren, wie es RZ könnten.

Tool findet IT-Stromfresser

Mit einem neuen Tool, das in der kostenlos genutzt werden kann, hat Enviprot und derzeit in der Beta-Version zum Download vorliegt, können IT-Administratoren feststellen, wo im IT-Netz die Stromfresser sitzen und mampfen. Auf den Clients muss dafür nichts installiert werden. Voraussetzungen: ein installiertes Microsoft .NET-Framework und Durchlässigkeit der Firewall für ICMP (Internet Control Message Protocol)-Nachrichten, da die Clients angepingt werden.

Summary:Germany-based Enviprot has developed a downloadable free-of-charge tool (beta-version now) which detects energy-wasting IT equipment in infrastructures with activated Microsoft .Net. Firewalls must let ICMP-messages pass, as clients are ping-ed. No client install necessary.

Rechner abschalten verlängert Lebensdauer

Früher hieß es: Durchlaufen schont den Rechner. Das ist inzwischen Blödsinn. Heute gilt: Der Rechner muss abgeschaltet werden, um ihn zu schonen! Heutige Rechner sind gegen die Unwägbarkeiten beim An- und Abschalten so gut geschützt, dass die Zahl der An- und Abschaltungen so gut wie keine Rolle mehr spielt. Und zudem werden durch Abschalten die Komponenten geschont, deren Lebensdauer sich in Laufzeitstunden bemisst. Die einfache, brutale Regel heißt: Was länger läuft, ist früher tot. Kurz: Nur ein abgeschalteter Computer ist ein nichts verbrauchender und langlebiger Computer!

Darauf weist San Murugesan, Professor an der Multimedia-Universität in Malaysia und assoziierter Professor der University von Western Sydney, Australien, in einem auch ansonsten sehr interessanten Text für die Computer Society der IEEE hin.

Summary:Switchout Your computers! It is a legend that they may live longer if You leave them on during lunchbreak or other breaks of the work. Protection is sufficient today, and components live the longer the less hours they are used. Run longer, die earlier is the brute rule. So: Switching off saves energy and money! See the text of Professor San murugesan from Multimedia University Malaysia!

Wie das Rechenzentrum Energie spart – praktische Beispiele

Die Website der Computerwoche bringt gerade einen interessanten, praxisbezogenen Artikel darüber, was man sich alles einfallen lassen kann, um das Rechenzentrum nachhaltig zu machen. Ausschließlich Praxis, keine Theorie! Also – reinklicken und staunen, was alles möglich ist!

Green IT mal anders – Wirkcamp sucht Teilnehmer

Wer sich für nachhaltige IT und gleichzeitige für neuartige, nicht hierarchische Organisationsstrukturen interessiert, sollte einmal einen Blick auf die Vorstellungsseite der Initiative Synagieren werfen. Die vorwiegend jüngeren Leute aus Leipzig und Umgebung, die sich hier zusammengefunden haben, veranstalten sogenannte Wirkcamps, auf denen in Arbeitsgruppen an konkreten Problemen vor allem aus dem Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit gearbeitet wird.
Der Fokus liegt auf konkreten Aktionen. Der Austausch rein theoretischer Positionen steht weniger im Mittelpunkt. Parteipolitisch ist die als gemeinnütziger Verein organisierte Initiative nicht gebunden. Das nächste Wirkcamp findet vom 8. bis 10. Mai in Leipzig statt. Dort wird es auch einen Workshop zur nachhaltigen Nutzung des Internet geben. Teilnehmer sind herzlich willkommen, über alles Nähere informiert das Web.

ETH-Initiative macht Haus-Stromnetz zum SmartGrid

Ein Artikel in der Energiefachzeitschrift energy 2.0 weist auf die DigitalStrom-Initiative hin. Diese 2007 an der ETH Zürich gegründete Non-Profit-Vereinigung will eine neue Technologie, die von zwei Schweizer Chipdesignern entwickelt wurde, zu einem neuen weltweiten Standard machen. Die Organisation managt die technologische Weiterentwicklung, zertifiziert Produkte, definiert Hard- und Softwarestandards und so weiter.
Der Kern der Technologie sind winzige, kostengünstige Chips, die sich in jedes Elektrogerät – auch Lampen und Stecker – einbauen lassen, ohne dass deren sonstiger Bauplan oder ihr Funktionieren verändert werden müssen. Außerdem lassen sich Geräte auch durch Zwischenstecker mit DigitalStrom-Technologie ausrüsten. Über diese Chips und das Stromnetz kommunizieren die Elektrogeräte in einem Haushalt miteinander und stellen dem Endanwender Daten über den Stromverbrauch und dessen Verteilung auf Verbraucher bereit. Die Daten bleiben im Haushalt, es sei denn, der Besitzer gibt sie für Dritte frei.
Die Technik ermöglicht zum Beispiel, Geräte über Lichtschalter oder PDAs ein- und auszuschalten oder dass sich Haushaltsgeräte untereinander darüber verständigen, welches von ihnen gerade am dringendsten Strom braucht, um Lastspitzen und die Nutzung besonders teurer Tarife zu vermeiden. Wenn der Herd gerade kocht, muss schließlich der Kühlschrank nicht kühlen.
Außerdem lässt sich mit den Chips die Standby-Leistung auf die zukünftig geforderten 0,3 und später 0,1 Watt senken. Auch Remote-Steuerung der Hausgeräte von außerhalb ist möglich: Dazu wird im Sicherungskasten ein Mini-Server installiert, der die Daten aus dem häuslichen Stromkreis ans Handy des Besitzers oder eine Internet-Seite überträgt. DigitalStrom betont, dass der Haushaltseigner die Hoheit über die Steuerung seiner Geräte behält: Der Provider könne zwar steuerungsrelevante Nachrichten an Geräte schicken, diese bleiben jedoch im Sicherungskasten-Server des Anwenders hängen, es sei denn, er hätte selbst die Absicht, die Steuersignale des Providers durch seine Geräte umsetzen zu lassen.
Gegenüber anderen Technologien wie Powerline, anderen Funk- und Kabeltechnoologien betont die Initiative Sicherheits-, Preis- und Implementierungsvorteile sowie die einfache Nutzung durch die Endanwender. 2010 wird DigitalStrom in einer Version 1.0 als Open-Lizenz verfügbar gemacht. Die Mitgliederliste der Initiative ist schon ziemlich lang und umfasst zahlreiche namhafte Forschungsinistitutionen, Verbände und Hersteller.

Wettbewerb – auch für ökologische IT-Manager: http://tinyurl.com/yk3mrxy

Die Medienplattform Glocalist möchte es nicht bei der Enttäuschung über die tatenlosen Klima-Conferenciers in Kopenhagen belassen und ruft flugs einen Wettbewerb aus, der sich auch für Kohlendioxid-bewusste IT-Manager durchaus lohnen könnte: Glocalist ruft Firmen aller Größenordnung auf, „ihre wichtigste, geplante innerbetriebliche Klimaschutzmaßnahme für das Jahr 2010 vorzustellen“. Das könnte sehr wohl auch die umstellung auf Freikühlung im RZ sein. Um nur mal eines von vielen möglichen Beispielen zu nennen. Näheres unter dem oben agegebenen Link. Wer sich überlegt, teilzunehmen (Kosten sind damit nicht verbunden, muss sich aber beeilen: Schon am 8. Januar ist Einsendeschluss, wenn Glocalist hier nicht verlängert.

Technologien für eine grünere IT: Glasfaser

Unter der Überschrift „Technologien für eine grünere IT“ stellt nachhaltige-it in lockerer Folge Technologien vor, die helfen können, IT nachhaltiger zu machen. Heute: Glasfaservernetzung.

Daten werden heute vor allem über Kupferadern, drahtlos oder über Glasfasern übertragen. Die Glasfaser bietet dabei sehr sichere und sehr breitbandige Übertragungsmöglichkeiten. Denn verglichen mit Kupferadern erzeugt die Glasfaser aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften erheblich geringere Leitungsverluste, das heißt, Signale müssen erst nach erheblich längeren Distanzen aufgefrischt werden. Denn in Kupferadern werden Signale elektrisch, in Glasfasern optisch übertragen, also durch Reflexion. Während in der Glasfaser nur die Energie für die Erzeugung und später die Verstärkung des Lichtsignals erzeugt werden muss, muss man in der Kupferader die elektrische Energie für den Leitungstransport bereitstellen, die erheblich höher ist. Die Folge: Insgesamt schluckt ein auf Kupfer basierendes Netzwerk inklusive aller seiner Komponenten ein Mehrfaches der Energie seines Glasfaser-Pendants, schon ganz und gar, wenn man Energieverbrauch in Relation zur Bandbreite setzt. Außerdem ist Glasfaser vielfältiger einsetzbar, zum Beispiel auch als Sensor.
Beides – Kupfer- und Glasfasererzeugung – ist energieaufwändig, aber die Glasfaser bietet technologisch erheblich mehr. Zum Beispiel können Glasfaser-Switches erheblich kleiner ausfallen, man braucht erheblich weniger Auffrischungs- und Schaltstationen. Glasfaserinfrastrukturen sind zwar im Aufbau teuer, haben aber, einmal in entsprechender Technik implementiert, in der Regel eine längere Standzeit, ohne an Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Diese Argumentation gilt insbesondere für die öffentlichen Netze einschließlich der letzten Meile, also der Strecke zwischen dem letzten Vorverteiler und dem Haus- respektive Wohnungsanschluss, da diese auf jeden Fall langfristig eigesetzt werden. Was die Kapazitäten angeht, kann, zum indest nach Meinung der Informationstechnischen Gesellschaft des VDE überhaupt nur die Glasfaser den Anforderungen, die der flächendeckende IT-Einsatz gerade im Bemühen um mehr Nachhaltigkeit erzeugen dürfte, genügen. VDE/ITG schlägt deshalb den Aufbau flächendeckender Netze mit Knoten, deren Durchsatz 100 TBit beträgt, vor.

Glasfaserkabel bieten zum Beispiel an:

Corning
Tyco
Alcatel-Lucent
Leoni
Dätwyler
Belden
Huber + Suhner

LED umweltfreundlichste Beleuchtungstechnik, aber Schwachpunkt Indium

Nach einer Umweltbilanz, die Osram in Zusammenarbeit mit erstellt hat, sind Leuchtidoden bei weitem umweltfreundlicher als Glühbirnen und auch als Leuchtstoffröhren. Da die Studie, in der Presse schon breit zitiert wurde, soll hier nur auf einen Schwachpunkt der Untersuchung hingewiesen werden: LEDs benutzen als Elektronenfänger extrem dünne Schichten aus InGaN (Indium-Gallium-Stickstoff). Indium gehört aber nach einer breit diskutierten Studie des Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und des Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung derzeit nur in äußerst begrenzter Menge vorhanden. Zudem wird der Stoff gleich für wichtige Zukunftstechnologien gebraucht, zum Beispiel als Indiumzinnoxid-Beschichtung auf Displays, als essentieller Bestandteil von Dünnschicht-Solarzellen und eben in weißen Leuchtdioden. Der Bedarf lag 2006 etwa bei 234 Tonnen jährlich, für 2030 wird er auf 1991 Tonnen geschätzt, das wäre das 3,29fache der für dieses Jahr prognostizierten Fördermenge. Zudem ist das wichtigste Förderland China. Die absehbare Folge sind vorhersehbar heftige Preissprünge nach oben und – bei einer derzeitigen Reichweitenprognose von 19 Jahren – Materialengpässe in allen drei Technologien. Es ist daher fraglich, ob man sich hauptsächlich auf Indium-basierende Technologien verlassen sollte, wenn langfristige und nachhaltige Lösungen für gegenwärtige Probleme gesucht werden.

Summary:Osram published a study on the environmental impact of LEDs compared to more conventional methods of electrical Lightening. The result: LEDs use just a fraction of energy and material. Unfortunately, at least white LEDs use Indium which is extremely rare and because of that sensitive to price explosions because of scarcity and/or even running out, as the need for Indium is prognosed in a recently published study to multiply as
several future technology make use of that material.

"Das Netz ist im Zentrum"

Eine Studie der VDE/ITG (Informationstechnische Gesellschaft im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.) mahnt dringend Investitionen in Kommunikationsnetze an, um sie leistungsfähiger und nachhaltiger zu machen. Ob die Ansätze des Verbands national und international Wiederhall finden, wird auch von der Kommunikation der Akteure abhängen. Bisher jedenfalls ist das Thema Netze im Green-IT-Diskurs unterbelichtet – die Green-IT-Allianz beispielsweise hat zwar eine Arbeitsgruppe zum Thema Software, aber keine zur Netzwerkinfrastruktur. Lesen Sie, wie Dr. Ingo Wolff, Vorsitzender der VDE/ITG im Interview mit nachhaltige-it die Dinge sieht!